Masterpiece

Mai 13th, 2013

Today I woke up, and everywhere I looked, I saw beauty, like life would be a masterpiece, which is more perfect and beautiful than everything else. And everything I touched, felt so good, that it almost made me cry. Those days are blessed and in these days it seems like bliss has become my shadow, which is following me everywhere I go. Today joy seems to be all there is, and fear is nothing more than an illusion. This is the truth of today, but who knows what might be the truth of tomorrow!

If I look back, I see the memory of warm summer days, when we used to run dancing through the streets, with a smile on our faces as big as the fun we had. And I see pictures of cold winter days as well, when tears were crawling down my face. I remember how cold it felt, when the wind was blowing. And I remember how lost I felt when life created a storm of chaos around me. But today I see beauty in its purest form, if I look at the pain, which was hurting so badly. This is the truth of today, but who knows what might be the truth of tomorrow!

I never believed in something. And I still don’t. I studied Philosophy. I listened to the oldest and wisest teachers. And all I realized, is that I realized nothing. I don’t even believe my eyes. I know what I see is  bound to the way I perceive the world. But still, I wish everybody could see what I see. Cause it’s so beautiful. One day it will happen. One day everybody will wake up and realize that joy is all there is, and everything else is just an illusion. At least this is the truth of today, but who knows what might be the truth of tomorrow.

» Ganzen Beitrag lesen «

Sommerregen

März 20th, 2013

Es war die Zeit, in der es stickig heiß ist. Die Zeit, in der es dich raus treibt, raus in die Freiheit. Dorthin wo die Sonne scheint, die alles blühen und gedeihen lässt.

Wir liefen durch die Straßen und lachten, hatten Freude, vergaßen die Realität. Wie betäubt, nur unseren Trieben nach jagend.

Doch das nächste Tief, der nächste Regen kommt bestimmt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Meistens plötzlich und unerwartet. Von einem Moment zum Nächsten stehen wir plötzlich da – völlig nass – bis auf die Unterwäsche. Um uns herum der Blitz und Donner, die Gefahr, der Konflikt, das Geschehen, vor dem jeder zu fliehen versucht. Doch wir lachen noch immer. Erfreuen uns auch an jenem Moment. Rennen nicht unters Dach. Lassen den kühlen Regen einfach auf uns prasseln und erfreuen uns sogar an ihm.

Wenn Aktion und Reaktion verschwinden, bleibt nur der Moment. Und er ist so einzigartig wie Schneeflocken. So besonders wie eine Blume in der Wüste und so schöne wie das Schöne Selbst, in seiner pursten Form.

Es gibt keine gewöhnlichen Momente. Jeder Moment ist ein Wunder. Genauso, wie das Leben.

 

Verliebt

Dezember 1st, 2012

Ich kann nicht schlafen, kann nicht essen, kann nicht denken – liege schlaflos im Bett.

Gedankenlos. Wach. Von dem Gefühl der Freude wachgehalten. Mit einem dicken Strahlen im Gesicht, wie sonst nur Kinder strahlen können.

Ich spüre das Glück, wie meine Arme und Beine. Liege im Bett und kann nicht schlafen. Etwas hält mich wach. Ich weiß nicht was. Bin ich verrückt? Habe ich mich vom Normalen entfernt? Ich bin alleine, doch nicht einsam. Bin arm und fühle mich reich. Bin sprachlos und doch voller Einsicht.

Alle Grenzen, alle Wiederstände lasse ich los und fliege. Fliege rein, in die Welt, in der die Freude stärker ist als Leid -in der das Licht die Dunkelheit vertreibt. Eine Welt so hell, dass alle Schattenbilder verschwinden.

Ich bin verliebt. Verliebt wie nie zuvor. Doch die Liebe, sie ist nicht gerichtet. Keinen Grund habe ich glücklich zu sein. Ich liebe nicht sie oder ihn oder es oder jenes. Nur das Leben, das Leben selbst – den Geruch des Regens, das leuchten der Blüten, den Gesang der Vögel, die Stille der Bäume, den Lärm der Affen, das Licht der Sonne, die Dunkelheit der Nacht.

Ich habe nichts. Bin alleine. Keiner da, der sich kümmert und sorgt.

Ich glaube nicht. Nicht an Wissenschaft. Nicht an Religion. Nicht meinem Lehrer. Die Bücher sind tot.

Doch ich weiß. Von Kopf bis Fuß. Alles ist gut und wird immer gut sein. Vom ersten bis zum letzten Tag.

Geburtswehen

Januar 22nd, 2012

Grenzenlos, ja wahrhaft grenzenlos ist der Kosmos. Und wenn der Mensch sich nur in Grenzen erfahren kann, so ist dies kein Fluch, sondern sein größter Segen. Denn würden sich die Schleier der Erkenntnis auf einmal lichten, so sähe er die Dämonen die ihm folgen wie sein Schatten. Und würde er ihre grinsenden Fratzen erkennen, so wäre der Schock so groß, dass seine Nerven verglühen würden, auf einen Schlag, wie der Draht der Glühbirne. Dann wäre kein Licht mehr am Himmel zu sehen und stattdessen nur die grausamen Schatten der Dunkelheit.

Hier und jetzt, am heutigen Tag ist der Zeitpunkt gekommen. Es ist dem Menschen bestimmt sich zu wandeln. Er soll sein Kokon verlassen und fliegen als Schmetterling, frei und voll Freude, schimmern soll er prächtig in tausenden leuchtenden Farben. Doch der Weg zur Neugeburt führt nicht an den Toren der Hölle vorbei. Nur wenn das Lebendige gestorben und verwest ist, wird aus ihm Nahrung für das Neue. Und so ziehen die dunklen Wolken des Todes am Himmel auf. Die Länder schlagen Alarm und die Soldaten greifen zu den Waffen.

Es ist bereits spät, die Nacht bricht heran und der Sonnengott macht sich bereit für seine Nachtmeerfahrt. Er muss hinabsteigen in die Unterwelt des Hades und auf seinem gefährlichen Weg die Dämonen und alle Schatten besiegen. Nur wenn er sein altes Gewand abwerfen kann, wird er den Morgen erleben und die Sonne wird hinter den Bergen erscheinen, sodass die Welt in einem neuen Licht erstrahlt. Das Schicksal erlaubt es dem Menschen heute nicht mehr zu warten. Die Zeit der Prüfung ist gekommen. Der Moment der Entscheidung ist da.

Das Orakel hat uns den Sieg prophezeit. Wir werden gehoben in das Reich des Friedens und der Glückseligkeit. Wir werden Eins, so steht es geschrieben. Ich will glauben, glauben an das Gute. Und ich tue es. Vorbei ist die Zeit, in der in Rätseln gesprochen wurde. Heute stehen alle Türen offen und kein Geheimbund kann die Wahrheit mehr hinter dicken Türen versperren. Es sind aufregende Zeiten. Die Veränderung liegt in der Luft, wie der Duft der Blüten im Frühling.

Etwas wird passieren. Wir alle spüren es. Zum ersten Mal haben wir die Macht, unser eigen Schicksal frei zu gestalten.

Nachtmeerfahrt

Dezember 18th, 2011

In meiner Erinnerung ist alles noch so klar, als wäre es eben erst geschehen. Und dabei liegen Jahre dazwischen. Es kommt mir sogar vor, als wären seither schon zwei Leben vergangen. Ich saß im Zimmer. In meiner Erinnerung ist es finster und kalt. Die Gefühle mögen dabei die Realität verzerren. Vermutlich brannte sogar Licht. Im Herzen aber herrschte schon Dunkelheit. Denn die Ahnung war bereits da und brannte stärker als der Strom, der den Draht der Glühbirne zum Leuchten bringt. Die Ruhe vor dem Sturm. Ich kann sie spüren, wenn ich zurück sinne. Innerlich wusste ich bereits, was passiert war, noch bevor es an der Tür geläutet hat.

Was für ein Gefühl muss es sein, wenn du vor einem unbekannten Haus stehst, und an der Türklingel läutest, dem undankbaren Auftrag folgend. Wenn du dem Unbekannten in die Augen blickst und in ihnen die Schwärze der Nacht auflodern siehst, gefolgt von den Tränen der Trauer. Ich habe nie besonders viel von der Polizei gehalten. Aber als ich an jenem Abend die Tür öffnete, kümmerte mich die Uniform der Männer nicht sonderlich. Wenn ich zurückblicke, sehe ich nur Stille. Wie getroffen von einer verirrten Kugel, mitten im Herz. Ich greife mit der Hand auf meine Wunde, spüre den Schmerz, sehe das Blut, wie es zu Boden tropft. Die Welt scheint still zu stehen, in solchen Momenten. Gefangen an der Grenze zwischen Leben und Tod, kommt der Schock noch vor dem Schmerz. Wenn dich der Schlag trifft, den du am wenigsten erwartet hast, verlierst du den Boden unter den Füßen. Auf einmal lag ich ganz unten mit dem Gesicht im Dreck. Und auf mich peitschte der Regen – in kühlen Tropfen.

Und dann, wenn du meinst wieder atmen zu können, wenn der Druck nachlässt, der deine Kehle zuschnürt, kommt der nächste Schlag – genauso so unerwartet wie jener zuvor. Dann spürst du den Schmerz. Aufgeschrien habe ich. Damit erwachte auch die Wut aus ihrem friedlichen Schlaf. Mit den Fäusten gegen die blanke Wand geschlagen habe ich. Nur um mich an dem Schmerz meiner blutig geschlagenen Hände zu erfreuen. Denn jener Schmerz ließ mich für einen Augenblick die Trauer vergessen. In der Stunde des Todes, um Mitternacht, wenn die Kirchturmuhr zum zwölften Mal schlägt, erkennst du, dass jener der dir am nächsten Stand nicht mehr bei dir ist. Dann ist aller Streit und alles Böse vergessen. Dann leuchtet sein Bild nur noch sauber und edel und der Schmutz ist verschwunden, abgewaschen von Tränen. Dann wünschst du dir, nur noch ein einziges Wort zu ihm sprechen zu können. Ihn noch einmal zu sehen. Nur noch eine Chance. Nur noch einen Moment. Und der Wunsch brennt so beißend wie Salz in der Wunde. Seit jener Nacht achte ich auf jeden Abschied, sage seither immer auf Wiedersehen. Achte darauf mich im Frieden von jedem zu trennen der mir nahe steht. Denn das einzige was mehr weh tut als einen deiner Liebsten zu verlieren, ist wenn das letzte Gespräch im Streit geendet hat.

Der Schock ist der Sprung ins kalte Wasser. Es folgen die Tränen der Reue. Dann kommt die Wut die dich antreibt, wie der Wind die Segel. Sie treibt dich geradewegs in den Sturm des Hasses, der dein Schiff vollends zerstören wird, sodass schlussendlich nichts mehr von deinem Ich so sein wird wie es einst war. Wenn auch der vom Hass genährte Sturm sich legt, schwimmen die Trümmer des Schiffes auf ruhiger See. Dann denkst du das Wasser färbe sich von schwarz zu blau. Doch es haben sich nur die Wolken gelichtet. Und dein Auge sieht die selben Dinge nun in einem anderen Licht.

Wenn du um jemanden trauerst, dann wünsche nicht ihm das er seinen Frieden finden möge. Denn in deinem Herzen weißt du längst, dass er dort ist wo jeder Mensch gern wäre. Wünsche lieber dir selbst das du Frieden findest. Und danke deinem Freund für sein Hilfe. Denn wenn du dich ganz hingibst, dann wird der Schmerz dein Wegweiser sein und die Trauer dein Lehrmeister. Der Wind wird dich treiben, durch Sturm und Gefahr. Wenn du die Stürme ertragen kannst, wie der alte Baum der allem Geschehen trotzt und immer auf festen Füßen stehen bleibt, dann wirst du eines Tages erleben wie der Wind sich legt und dich auf ruhiger See wieder finden. An jenem Ort wo Stille und Frieden den Lärm der Vergangenheit übertönt. Wenn die Sonne hinter den Bergen erscheint, wandeln sich die dunklen Schatten und nichts ist mehr so wie es einst war. Denn wenn du dich selbst veränderst, verändern sich auch alle Dinge die dich umgeben. Es gibt kein zurück. Es geht nur weiter und zwar immerzu…

Es geht immer weiter

Dezember 11th, 2011

Tageslicht, es blendet. Ich habe Durst. Ein Schluck Schnaps. Alles passt schon wieder. Ich stehe auf, laufe von der Parkbank zum nächsten Busch. Schiffen. Der Druck nimmt ab. Die Entspannung setzt ein. Ein Wohlgefühl macht sich breit. Gedanken schwirren mir durch den Kopf: „Was hat das alles für einen Sinn? Diese Arschlöcher, alle miteinander. Verdammt, ich brauch mehr zum Saufen!“ Ich nehme noch einen Schluck Schnaps. Die Ruhe setzt ein. Ein Gefühl von Friede. Schlaf. Der Druck ist weg. Ich bin frei. Frei von Angst. Frei von Sorgen. Frei von Bedürfnissen. Frei von Pflichten. Ohne Verantwortung. Ohne Termine. Ich bin, so wie ich bin. Ich brauche mich nicht zu verstellen. Wer von euch hat diese Freiheit denn schon? Die Leute blicken auf mich herab. Sie halten sich die Nase zu. Ich tue ihnen leid. Sie meinen, ich sei schwächer als sie. Doch bin ich das wirklich? Wenn ich besoffen bin, verschwimmt die Welt. Dann fühle ich mich glücklich. Wer von euch ist das denn schon? Meine Welt ist eine Scheinwelt. Ich sehe nichts. Ich spüre nichts. Doch ich lebe. Lebt ihr auch, oder tut ihr nur so?

Ich werde geschüttelt. Es ist Frank. Er hat eine Flasche Jägermeister dabei. Wir trinken zusammen. Wir kennen uns schon ein paar Jahre. Vor zwei Monaten habe ich geholfen, als er verprügelt wurde. Seitdem sind wir Brüder. Es ist schwer, Freunde zu finden, wenn du auf der Straße bist. Doch es ist noch viel schwerer, diese Freunde wieder zu verlieren. Meine Jungs stehen immer hinter mir. Und deine Freunde? Würden sie alles für dich tun? Würden sie sterben für dich? Frank hat ein zerkratztes Gesicht. Voll mit schwarz-roten Blutkrusten. Wenn er high ist, kratzt er sich, überall. Wenn er keinen Schmerz spürt, keine Sorgen, dann ist er frei. Dann spürt er, dass er lebt. Bis die Droge nachlässt. Dann kommt der Fall. Der Sturz. Die Realität. Bis der nächste Schuss einsetzt und das Hochgefühl wieder zur Realität wird. Nur wer ganz unten war, kann auch ganz nach oben kommen. Nur eines ist sicher. Das Leben geht immer weiter. Wo du auch stehst.

Das Leben ist schön

Dezember 4th, 2011

Als Kind war ich umgeben von den dunklen Rauchschwaden der Einsamkeit. Ich habe viel geweint. Allein in meinem Zimmer. Damals schienen die Tage so kalt und dunkel wie der tiefste Winter an der nördlichen Küste Norwegens. Ich sah keine Lichtstrahlen durch die Wolkendecke dringen. Und die einzige Hoffnung lag in der Zukunft. Dann wenn ich älter bin, wird alles einfacher sein. Dann werde ich glücklich sein. Irgendwann werde ich meinen Frieden finden.

Ich war wohl ein naives Kind, das meinte das Schlimmste bereits erlebt zu haben. Und so erklimmte ich in meiner Jugend wirklich so manchen Hügel und erlebte Zeiten in denen sich die Wolken lichten und die Sonne bis runter auf die Erde strahlt – wenn auch nur für kurze Zeit. Doch auch die Schluchten in welche mich das Leben führte, waren noch tiefer und dunkler als ich es hätte ahnen können.

Heute weiß ich, dass der Ahornbaum gerade im Winter seine größte Stärke zeigt. Dann wenn alle Blätter von ihm abfallen und er sich nackt und ohne Schutzwall den Stürmen stellt. Wenn der weiße Schnee seine Erscheinungsbild verdeckt und seine Haut gefriert, dann steht er immer noch, als ob nichts geschehen wäre. Er braucht nichts weiter zu tun, als still zu stehen und warten, mit endloser Geduld. Und alles kommt zu ihm. Das Wasser fliegt vom Himmel vor seine Füße. Und auch die Sonnenstrahlen erreichen ihn nach einer scheinbar unendlich langen Reise durchs Weltall. Alles kommt von alleine, zum richtigen Zeitpunkt. Und wenn der Frühling das Winterkleid verschwinden lässt, weiß der Baum das es nun Zeit ist Blätter und Blüten zu bilden. Er weiß immer was zu tun ist. Seine innere Stimme weißt ihm den Weg.

In den dunklen Tagen, wenn du zitterst vor Kälte, wenn der Schmerz dich aufschreien lässt. Gerade in jenen Momenten strahlt das Leben besonders hell und klar. Wenn das harte Metall sich durch deinen weichen Körper schneidet und Blut zu Boden tropft, dann spürst du das du lebst. In deiner Wunde spürst du den Pulsschlag des Lebens. Wenn du aufschreist, wenn die Emotionen raus schießen wie ein Wasserfall. Dann bist du lebendig, voller Leben, hellwach und völlig aufmerksam. Nur auf das konzentriert was in diesem Moment geschieht.

Die Konflikte und Schicksalsschläge, sie sind das Schleifpapier, das deinen Charakter formt. Manche zerbrechen an den schwersten Prüfungen, so wie manche Bäume die langen Winter nicht überstehen. Diejenigen aber die es von ganz unten wieder auf ihre Füße schaffen, bekommen einen einzigartigen Charakter geschenkt. Die stärksten Wesen der Natur setzen sich durch und wachsen nach oben, dem Licht entgegen, unaufhaltsam. Die kalten Winter schleifen ihre spitzigen Kanten hinweg. Sie werden weich wie das Wasser, das immer den einfachsten Weg findet. Ohne Wiederstand fließt es immer weiter. Bis es eines Tages das Meer erreicht. Die Einheit aus der alles kommt und in die alles zurück kehrt. Das Alpha und das Omega. Der Beginn und das Ende. Im unendlichen Ozean ist alles Eins und untrennbar miteinander verbunden.

Das Geheimnis des Lebens steht in jeder Menschenseele geschrieben. In jeder Erscheinung der Welt lässt sich die Offenbarung lesen. Jeder einzelne Moment des Lebens ist ein Geheimnis. Und zugleich ein Wunder. Die Wahrheit ist – es gibt keine gewöhnlichen Momente. Überall ist die Magie – das Wunder des Lebens. Diejenigen, die dem Leben ins Auge geblickt haben und bis zur Seele vorgedrungen sind, sehen es besonders klar.

Der Fluss des Lebens

November 27th, 2011

Die meisten Blätter haben bereits die Farbe gewechselt. Sie sind rot geworden, wie die Wangen der jungen Mädchen. Ob ihnen wohl etwas peinlich ist? Und sie sind gelb wie die Sonne, die sich nun immer öfter hinter den Wolken versteckt. Ob sie wohl Angst hat etwas falsch gemacht zu haben und sich deshalb nicht mehr gerne blicken lässt? Ich weiß nur, dass die Sonne nicht mehr ganz oben am Himmel steht. Das Licht strahlt nicht mehr so hell und klar wie vor einiger Zeit. Die Umgebung hat sich gewandelt. Alles wirkt grau und leblos. Und der Tod schlägt zu, mit jedem neuen kühlen Windstoß segeln weitere Blätter hinab auf die Erde. Sie üben bereits keinen Widerstand mehr aus. Sie haben ihr Schicksal akzeptiert. Sie lassen sich treiben und von den Würmern fressen, ganz ohne Wiederrede.

Doch ich bin Mensch. Ich bin frei. Ich will mich nicht treiben lassen. Ich kann mich wehren, kann dem Schicksal entfliehen, bin mein eigener Herr. Ich grause mich vor der kommenden Kälte. Ich will nicht akzeptieren, was ohnehin kommen wird. Und deshalb leide ich. Ich ziehe mich zurück in meine Wohnung und drehe die Heizung auf. Doch ich leide noch immer. Ich sehne mich nach den warmen Sommer Tagen, als wir draußen saßen bis spät in die Nacht, in den Gastgärten, um das Leben zu feiern. Heute ist auch die letzte Note der Musik verklungen, die Menschen sind verschwunden und ich bin allein mit meinen Träumen von einer besseren Zeit. Ich leide, weil ich an einem anderen Ort sein möchte, als ich bin. Ich leide, weil ich Wünsche habe, die nicht erfüllt sind. Ich leide, weil ich für Dinge kämpfe, die sich nicht erzwingen lassen. Denn die wirklich wichtigen Dinge verlieren ihre Süße und ihren Zauber, wenn sie auch nur im Ansatz erzwungen werden. Ich habe Träume. Ich will mich und die Welt verändern. Ich muss zwischen richtigen und falschen Entscheidungen wählen und mich um deren Ausgang sorgen.

Das Leben aber kennt keine Angst und keine Sorgen. Und ich bin nicht nur Mensch. Ich bin auch das Leben, das sich in Menschengestalt verkleidet hat. Ich bin ein Sandkorn und ich bin die Wüste. Ich bin ein einzigartiges Teil und die Summe aller Teile. Ich bin das Zahnrad in der Maschinerie, und wenn ich fehlen würde, könnte die Maschine nicht das tun, für das sie geschaffen ist. Ich bin eine einzelne Zelle der Erde und meine Verbindung zum Ganzen strahlt in meinem Inneren wie ein Licht, das niemals erlischt. Ich höre das Ganze wie eine innere Stimme, die immer spricht. Sie nimmt mich in den Arm und sagt, dass ich mich nicht sorgen brauche. Alle meine Entscheidungen seien die Richtigen gewesen. Ich sei perfekt, wie ich bin, so wie alles und jeder. Denn wie könnte das Einzelne nicht perfekt sein, wenn das Ganze die Perfektion selber ist.

Wenn ich die Stimme höre, dann spüre ich Vertrauen – bedingungslos. Dann sehe ich das Leben wie einen Fluss. Und ich sehe mich wie ein Blatt, das sich treiben lässt, ohne Widerstand – ohne Angst – ohne Sorge – voller Vertrauen. Und der Fluss treibt mich dorthin, wo meine ganze Schönheit strahlen kann. Ich brauche nichts dafür zu tun. Ich brauche nicht den Flusslauf auf und abzuschwimmen. Ich brauche nicht zu kämpfen, wie ich es mein Leben lang getan habe. Ich muss die Entwicklung nur zulassen und alles andere geschieht von allein.

Die schwierigsten Rätsel sind oft jene, die am einfachsten zu lösen sind. Denn je näher die Antwort ist, desto leichter kann sie auch übersehen werden. Doch irgendwann fällt jeder Vorhang. Dann stellt sich raus, dass jeder einzelne Moment etwas Besonderes war.

Das Leben stellt dir ständig neue Rätsel und es schreibt jeden Tag neue Geschichten. Öffne deine Augen und schau genau hin, spitze deine Ohren und höre genau zu, denn das ganze Schauspiel wird allein für dich inszeniert. Und es ist das wohl atemberaubendste Schauspiel der Welt.

Der stumme Zeuge

November 13th, 2011

Schritt für Schritt laufe ich, hinauf auf den Hügel, sehe die Landschaft langsam vorbei ziehen. Doch ich spüre nicht, wie die Fußsohlen den Boden berühren, bemerke nicht, wie Knie und Beine sich bewegen. Ich bin nicht völlig da, nicht präsent, bin abgelenkt, wie in einer anderen Welt, bei den Gedanken und diese sind zwischen Vergangenheit und Zukunft verstreut.

Ich denke nach über das Schreiben. Finde, dass es so normal ist wie das Atmen, so natürlich wie die Bewegung der Sonne. Komme zur Erkenntnis, dass es nicht ich bin der schreibt, wenn ich schreibe. Ich mag derjenige sein, der die Füllfeder bewegt, der Tinte auf weißes Papier aufträgt. Und doch weiß ich, dass ich nicht der Ursprung der Worte bin. Manchmal lese ich meine Texte und treffe auf etwas völlig Neues. Mitunter lerne ich sogar etwas von den Worten, die ich selbst geschrieben habe. Wie ist das möglich? Ich weiß es nicht. Und trotzdem trifft es zu. Bin ich nur ein Kanal? Ein Funkgerät, das ein Signal auffängt und es in wörtliche Rede übersetzt?

Dann schweifen meine Gedanken ab. Und neue Gedanken tauchen auf, ganz plötzlich, wie Luftblasen an der Wasseroberfläche. Wenn sie groß sind, größer als die Normalen, dann lassen sie ganze Schiffe verschwinden. Und niemand weiß, was geschah. Wer bin ich, wo liegt die Grenze zwischen mir und dem Rest der Welt? Vielleicht sind gar alle Grenzen nur Schein und existieren nicht wirklich. So wie die Ländergrenzen, die von uns geschaffen sind und dadurch real wurden, obwohl sie nur in den Köpfen und auf Papier existieren. Vielleicht auch noch in Computern, in Zahlencode übersetzt. Doch wer versucht jene Grenzen ohne Ausweis und ohne Erlaubnis zu übertreten, der verspürt an Leib und Seele wie real diese Grenzen wirklich sind.

Das Leben ist ein Mysterium und seine Essenz entzieht sich dem begrifflichen Denken. Wer es noch nicht erkennt, ist dazu verdammt noch weiter zu analysieren, noch tiefer zu graben. Durstig sind jene Menschen, denn sie sind noch nicht bis zum Punkt vorgedrungen, an dem sich die Gegensätze aufheben und nur noch das Eine ist. Doch jeder kommt eines Tages dorthin. Eigentlich ist jeder schon dort. Nur bewusst ist es nicht allen.

Die Gedanken verschwinden erneut, wie der Nebel im Morgengrauen und Neue tauchen auf. Bleibt mir eine Wahl? Habe ich die Möglichkeit mich zu entscheiden? Ist denn jede Entscheidung nicht längst von der Umwelt determiniert? Zumindest kann das Ich nicht unabhängig sein. Ohne die Umgebung hätte es keine Existenz und ohne mich gäbe es auch keine Umgebung.

Genug der analytischen Gedanken. Ich habe mein Ziel erreicht. Und das, ohne zu bemerken, dass ich auf den Weg war und gelaufen bin. Ganz plötzlich bin ich dort, wohin ich wollte. Und die Gedanken beginnen sich langsam zu legen. Obwohl die Fragen offen bleiben. Doch gerade das Gegenteil der Antwort nährt das Feuer, das tief in der Brust brennt. Die Begierde nach Erkenntnis, nach Frieden, nur die Liebe brennt stärker. Die großen Fragen des Lebens, die unerklärlich und scheinbar unbeantwortbar sind, machen nicht gerade sie das Wunder des Lebens zu dem, was es ist? Vielleicht ist auch die Liebe umso süßer, wenn sie unerfüllt bleibt, wenn die Hoffnung noch lodert und des Wunsches Erfüllung noch aussteht.

Wenn das Begehren dein Herz schneller schlagen lässt, spürst du dann nicht umso mehr, dass du lebst, dass du menschlich bist, mit Begierden und Gefühlen, Wünschen und Träumen. Manchmal scheint mir das Leiden, das daraus resultiert, nichts Leidvolles zu sein. Dann erscheint mir jenes Leiden vielmehr als das Schöne Selbst und als das Leben in seiner pursten Form. Am meisten von allem liebe ich noch immer die Liebe selbst. Auch wenn sie mich leiden lässt, an dunklen Tagen. Doch gerade das liebe ich an ihr.

Nun aber sind die Gedanken wirklich zur Ruhe gekommen. Ich stehe oben auf dem Schlossberg. Es ist eine laue Sommernacht. Doch keine gewöhnliche. Die Frauen tragen ihre schönsten Sommerkleider. Ich bemerke es erst jetzt. Eine kühle Brise weht und kühlt die Haut, so angenehm als würden Engel ihre Fächer schwingen. Ich höre das Singen der feiernden Menschen, höre das Tanzen, die Freude. Und daneben den Lärm der Straßenarbeiter, die nachts arbeiten, wenn andere schlafen. Am Morgen werden sie wieder verschwunden sein und die Menschen fahren auf neuen Straßen, ohne zu bemerken, was sich verändert hat.

Erst kürzlich habe ich mich bei einem Straßenkehrer bedankt, dafür, dass er die Stadt sauber hält. Spontan habe ich mich dem Unbekannten genähert. Und so gerührt habe ich ihn, durch eine lächerlich kleine Geste, dass er so gestrahlt hat, dass auch ich strahlen musste. Und schliesslich haben wir beide fast die Beherrschung verloren. Hätten beinahe Tränen der Freude vergossen, ohne zu wissen warum. Und dasselbe Gefühl habe ich jetzt. An jener Stelle, an der sich ganz Graz überblicken lässt. Ich stehe am Fuß der Burg, deren Mauern von grünen Kletterpflanzen bewachsen sind, und blicke runter auf die Lichter von Graz. Mein Blick reicht bis weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Ich sehe die Weite und ein Gefühl wird wach.

Ich staune. Wie schön ist es hier! Wie schön ist das Leben! Könnt ich doch nur jene Glückseligkeit in Worte fassen und auch anderen schicken, die sich gerade nach ihr sehnen!

Eines aber dröhnt noch lauter, als alle Geräusche, die meine Ohren erreichen, obwohl es kein Laut ist. Die Stille, ich kann sie sehen wie das Licht der Laterne und spüren wie den Wind. Sie lässt mich durchatmen – tief – wie sich sonst nur auf den Bergen durchatmen lässt, wo die Luft noch rein und unberührt ist. Die Laterne leuchtet in einem warmen Rot, wie die Sonne am Abend – bevor sie sich hinter den Bergen versteckt. Sie lässt den Baum strahlen, der gleich vor mir steht. Er wächst direkt vor dem Abgrund und breitet seine Arme bis weit über die Grenze hinaus, so als ob es kein Fallen gäbe. Mutig und stolz sieht er aus und nur der volle Mond, der hoch am Himmel steht, erscheint noch mächtiger als er.

Es herrscht eine besondere Atmosphäre. Eine Wärme ist spürbar. Nicht auf der Haut – eher im Herzen. Die Wärme wirkt aufs Gemüt. Zwei Menschen sitzen auf der Mauer und trinken Wein. Schmiegen sich immer näher aneinander, umschlingen sich Momente später – oder waren es doch Minuten, gar Stunden? Sie berühren sich zärtlich, nur ganz leicht, wie ein Hauch. Flüchtig sind jene Momente und zart, schon die kleinste hektische Bewegung kann die Magie zerstören und alles platzt wie eine Seifenblase. Doch jetzt meint es das Schicksal gut. Der Traum bleibt heil. Die Vorsehung erfüllt sich. Und wenn ihre Lippen zueinanderfinden, sieht es aus, als ob sie eins werden, als ob sie immer schon zusammengehört hätten. Es sieht aus, als ob jener Moment schon von Anfang an vorbestimmt gewesen wäre. Als ob alles Geschehen nur abgelaufen ist, damit sich jener Moment realisieren kann.

Und ich bin hier. Bin jetzt. Bin der stumme Zeuge.

Die Sonne scheint immer, hinter den Wolken

Mai 29th, 2011

Das Baby schreit. Ich wache auf. Von der Straßenlaterne scheint Licht durchs Fenster. Ich höre, wie mein Bettnachbar aus Ärger zu knurren beginnt. Ich gähne, stöhne ein wenig, nehme die Kleine in den Arm, streichle ihren Kopf. Mit drohendem Ton höre ich meinen Bettnachbarn sagen: „Schau zu, dass des Kind a ruh gibt!“

Mein Schatz beruhigt sich. Ich sehe ein Lächeln in ihrem Gesicht. Im nächsten Moment geht die Sonne hinter den Häusern auf. Es wird hell. „Heute kannst schaun, dass du wo anders übernachtest!“, sagt mein Bettnachbar.

Ich überlege, wo ich heute essen soll. Wo sollen wir diese Nacht schlafen? Woher soll ich das Geld für neue Windeln nehmen? All die Sorgen schwirren in meinem Kopf herum, wie Stimmen, die nicht aufhören zu sprechen.

Dann sehe ich das Strahlen im Gesicht meiner Kleinen. Und für einen Moment sind die Stimmen in meinem Kopf verstummt. Alle Sorgen sind vergessen.

Es ist nicht leicht, ein Kind alleine aufzuziehen, ohne Familie, ohne Geld und ohne Unterstützung. Aber es kommt mir vor, als hätte ich nie etwas so sinnvolles getan.

Wo bin ich?

Hier werden die Beitraege der Kategorie Geschichten aus Thomas Wunderland aufgelistet.