Dezember 25th, 2011
Die Zukunft. Sie scheint unendlich weit entfernt zu sein. Und je näher du ihr kommst, desto weiter weg erscheint sie dir. Immer auf der Jagd, momentan unglücklich, doch wenn der gute Job kommt, das tolle Auto, die Liebe deines Lebens, dann wird alles gut sein.
Dann sind die Sorgen und Qualen vorbei.
Dann bist du glücklich, dann bist du frei.
Du denkst, das Glück würde fern in der Zukunft verborgen liegen. Doch die Zukunft ist bereits da. In jedem neuen Moment erscheint sie dir. Das Tor hinein in das Neue, es steht dir offen und öffnet sich ständig erneut. Ich kann es dir zeigen, doch durchgehen musst du alleine. Es ist das Tor ins Wunderland, in dem die Träume realer sind als alles andere. Ein Tor in ein neues Zeitalter, indem sich die Gegensätze von Männlichkeit und Weiblichkeit zu einer neuen Einheit verbinden, sodass nichts anderes als Liebe herrscht. Trete ein in die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Trete ein in die Welt, in der es keine Grenzen gibt.
Das Tor ins Wunderland öffnet sich in jedem Moment erneut. Doch wenn du es einmal durchschreitest, gibt es keinen Weg zurück. Deine Sorgen und Qualen werden so weit weg sein wie die Erfahrungen deiner vergangenen Leben. Hast du wirklich den Mut alles hinter dir zu lassen? Wagst du es den Schritt zu machen, ins Ungewisse, auch wenn dort der Abgrund lauern könnte? Hast du den Mut alles gehen zu lassen und zu sterben?
Die Menschheit muss mutig sein, wenn sie in das neue Zeitalter eintreten will. Viel mutiger als sie es bisher war. Und doch ist alles nur eine Frage der Zeit. Denn das Nächste kommt bestimmt. In jedem neuen Moment erneut. Das Glück liegt in der Zukunft. Und die Zukunft ist JETZT!
Dezember 18th, 2011
In meiner Erinnerung ist alles noch so klar, als wäre es eben erst geschehen. Und dabei liegen Jahre dazwischen. Es kommt mir sogar vor, als wären seither schon zwei Leben vergangen. Ich saß im Zimmer. In meiner Erinnerung ist es finster und kalt. Die Gefühle mögen dabei die Realität verzerren. Vermutlich brannte sogar Licht. Im Herzen aber herrschte schon Dunkelheit. Denn die Ahnung war bereits da und brannte stärker als der Strom, der den Draht der Glühbirne zum Leuchten bringt. Die Ruhe vor dem Sturm. Ich kann sie spüren, wenn ich zurück sinne. Innerlich wusste ich bereits, was passiert war, noch bevor es an der Tür geläutet hat.
Was für ein Gefühl muss es sein, wenn du vor einem unbekannten Haus stehst, und an der Türklingel läutest, dem undankbaren Auftrag folgend. Wenn du dem Unbekannten in die Augen blickst und in ihnen die Schwärze der Nacht auflodern siehst, gefolgt von den Tränen der Trauer. Ich habe nie besonders viel von der Polizei gehalten. Aber als ich an jenem Abend die Tür öffnete, kümmerte mich die Uniform der Männer nicht sonderlich. Wenn ich zurückblicke, sehe ich nur Stille. Wie getroffen von einer verirrten Kugel, mitten im Herz. Ich greife mit der Hand auf meine Wunde, spüre den Schmerz, sehe das Blut, wie es zu Boden tropft. Die Welt scheint still zu stehen, in solchen Momenten. Gefangen an der Grenze zwischen Leben und Tod, kommt der Schock noch vor dem Schmerz. Wenn dich der Schlag trifft, den du am wenigsten erwartet hast, verlierst du den Boden unter den Füßen. Auf einmal lag ich ganz unten mit dem Gesicht im Dreck. Und auf mich peitschte der Regen – in kühlen Tropfen.
Und dann, wenn du meinst wieder atmen zu können, wenn der Druck nachlässt, der deine Kehle zuschnürt, kommt der nächste Schlag – genauso so unerwartet wie jener zuvor. Dann spürst du den Schmerz. Aufgeschrien habe ich. Damit erwachte auch die Wut aus ihrem friedlichen Schlaf. Mit den Fäusten gegen die blanke Wand geschlagen habe ich. Nur um mich an dem Schmerz meiner blutig geschlagenen Hände zu erfreuen. Denn jener Schmerz ließ mich für einen Augenblick die Trauer vergessen. In der Stunde des Todes, um Mitternacht, wenn die Kirchturmuhr zum zwölften Mal schlägt, erkennst du, dass jener der dir am nächsten Stand nicht mehr bei dir ist. Dann ist aller Streit und alles Böse vergessen. Dann leuchtet sein Bild nur noch sauber und edel und der Schmutz ist verschwunden, abgewaschen von Tränen. Dann wünschst du dir, nur noch ein einziges Wort zu ihm sprechen zu können. Ihn noch einmal zu sehen. Nur noch eine Chance. Nur noch einen Moment. Und der Wunsch brennt so beißend wie Salz in der Wunde. Seit jener Nacht achte ich auf jeden Abschied, sage seither immer auf Wiedersehen. Achte darauf mich im Frieden von jedem zu trennen der mir nahe steht. Denn das einzige was mehr weh tut als einen deiner Liebsten zu verlieren, ist wenn das letzte Gespräch im Streit geendet hat.
Der Schock ist der Sprung ins kalte Wasser. Es folgen die Tränen der Reue. Dann kommt die Wut die dich antreibt, wie der Wind die Segel. Sie treibt dich geradewegs in den Sturm des Hasses, der dein Schiff vollends zerstören wird, sodass schlussendlich nichts mehr von deinem Ich so sein wird wie es einst war. Wenn auch der vom Hass genährte Sturm sich legt, schwimmen die Trümmer des Schiffes auf ruhiger See. Dann denkst du das Wasser färbe sich von schwarz zu blau. Doch es haben sich nur die Wolken gelichtet. Und dein Auge sieht die selben Dinge nun in einem anderen Licht.
Wenn du um jemanden trauerst, dann wünsche nicht ihm das er seinen Frieden finden möge. Denn in deinem Herzen weißt du längst, dass er dort ist wo jeder Mensch gern wäre. Wünsche lieber dir selbst das du Frieden findest. Und danke deinem Freund für sein Hilfe. Denn wenn du dich ganz hingibst, dann wird der Schmerz dein Wegweiser sein und die Trauer dein Lehrmeister. Der Wind wird dich treiben, durch Sturm und Gefahr. Wenn du die Stürme ertragen kannst, wie der alte Baum der allem Geschehen trotzt und immer auf festen Füßen stehen bleibt, dann wirst du eines Tages erleben wie der Wind sich legt und dich auf ruhiger See wieder finden. An jenem Ort wo Stille und Frieden den Lärm der Vergangenheit übertönt. Wenn die Sonne hinter den Bergen erscheint, wandeln sich die dunklen Schatten und nichts ist mehr so wie es einst war. Denn wenn du dich selbst veränderst, verändern sich auch alle Dinge die dich umgeben. Es gibt kein zurück. Es geht nur weiter und zwar immerzu…
Mai 29th, 2011
Das Baby schreit. Ich wache auf. Von der Straßenlaterne scheint Licht durchs Fenster. Ich höre, wie mein Bettnachbar aus Ärger zu knurren beginnt. Ich gähne, stöhne ein wenig, nehme die Kleine in den Arm, streichle ihren Kopf. Mit drohendem Ton höre ich meinen Bettnachbarn sagen: „Schau zu, dass des Kind a ruh gibt!“
Mein Schatz beruhigt sich. Ich sehe ein Lächeln in ihrem Gesicht. Im nächsten Moment geht die Sonne hinter den Häusern auf. Es wird hell. „Heute kannst schaun, dass du wo anders übernachtest!“, sagt mein Bettnachbar.
Ich überlege, wo ich heute essen soll. Wo sollen wir diese Nacht schlafen? Woher soll ich das Geld für neue Windeln nehmen? All die Sorgen schwirren in meinem Kopf herum, wie Stimmen, die nicht aufhören zu sprechen.
Dann sehe ich das Strahlen im Gesicht meiner Kleinen. Und für einen Moment sind die Stimmen in meinem Kopf verstummt. Alle Sorgen sind vergessen.
Es ist nicht leicht, ein Kind alleine aufzuziehen, ohne Familie, ohne Geld und ohne Unterstützung. Aber es kommt mir vor, als hätte ich nie etwas so sinnvolles getan.